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Rathaus

nám. J. M. Marků 5, 56301 Lanškroun
Lanškroun als Untertanenstadt ließ zwischen 1581 und 1582 am Marktplatz ein geräumiges und kostspieliges Rathaus erbauen. Davon blieben bis heute zwei Portale erhalten. Das nordöstliche Portal ist mit einer Diamantrustika und vier Wappen der Besitzer der Herrschaft aus den Adelsfamilien Kostka z Postupic und Pernštejn verziert, unter welchen eine in Stein gemeißelte Inschrift in Kurrent und alttschechisch den Psalm 127 wiedergibt: Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Anno 1582.

Das südwestliche Portal ist auch aus Stein mit einer Diamantrustika, darüber das Wappen der Stadt Lanškroun mit der Inschrift Sigilum civitatis Landskronae 1581 und das Wappen der Fürsten von Liechtenstein, viel später eingefaßt. Die Inschrift unter den Wappen über dem Portal zitiert den Spruch Salomos: „Laß deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein. Laß deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiß. Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.“ Diese Inschrift ist mit Anno, 1581 datiert.
Die damalige Stadtverwaltung geriet mit dem Bau des Rathauses in große Schulden, und deshalb bat sie den Besitzer der Herrschaft um Unterstützung. Der Besitzer der Stadt und der Herrschaft Vratislav z Pernštejna räumte mit der Böhmischen Pergamenturkunde von 1581 der Stadt das Recht auf Exklusivverkauf von Salz in der Stadt und der ganzen Herrschaft ein. Der Ertrag aus dem Salzverkauf sollte die Schulden der Gemeinde abtragen.

An der südöstlichen Wand des Rathauses ist in gleicher Höhe mit den Fenstern des ersten Stockes eine Sonnenuhr installiert.

1622 stifteten die undisziplinierten Soldaten des Fürsten Max von Liechtenstein aus Unvorsichtigkeit in der Stadt einen Brand, dem auch das Rathaus zum Opfer fiel. Das Gebäude samt Turm brannte ab. Damals wurden auch die Rathauskeller von den Soldaten ausgeplündert und verwüstet.

1643 wurde Lanškroun von den Schweden besetzt, die hier übel hausten, plünderten und mordeten und alle möglichen Sachen wegführten. Da jedoch die kaiserlichen Truppen gegen Lanškroun zogen, begannen sich die Schweden in der Stadt zur Verteidigung vorzubereiten. Am Obertor plazierten sie eine Kanone und am Untentor zwei Hakenbüchsen. Auch die Fenster des Rathauses wurden mit Kanonen bestückt. Rings um das Rathaus zogen sie einen Graben und am Marktplatz bereiteten sie Pechkränze vor, die man nach den attackierenden kaiserlichen Truppen zu den Fenstern hinauswerfen konnte. Nach kurzen Zusammenstößen zogen sich die Schweden zurück und die Stadt wurde von den kaiserlichen Soldaten eingenommen.

Die Einwohner der Stadt Lanškroun erlitten durch diese Streifzüge und Kämpfe zwischen den Schweden und den kaiserlichen Truppen eine große Einbuße. Die Bevölkerung wurde dezimiert und hatte durch Kontributionen, Plündern, Lösegeldzahlen und Brandschatzen stark zu leiden.

1660 wurden im Rathausturm eine Glocke und eine Turmuhr installiert, die von einem unbekannten Schmied aus Dobruška angefertigt wurden. 1683 wurde der Rathausturm von einer Blitze getroffen, erlitt aber keinen größeren Schaden.

1792 wurde zum ersten Mal die Metallkuppel des Turmes geöffnet und in ihr die ursprünglichen Urkunden aufgefunden. Damals wurde die Sammlung um weitere Urkunden und Münzen vermehrt. In der Kuppel wurde zum Beispiel eine Urkunde hinterlegt, die besagte, daß im Jahr des Öffnens unter Herrschaft des römischen Kaisers und des böhmischen Königs Franz II. der Turm repariert wurde. Zu jener Zeit war der Schloßherr Alois von Liechtenstein, der ein Jahr früher die Stadt Lanškroun zur freien Munizipalitätsstadt erhoben und die Einführung eines regulierten Magistrats angeordnet hatte. Auf der Urkunde waren die Unterschriften der Geistlichen, des Bürgermeisters der Stadt, des Rates, der obrigkeitlichen Beamten, der Baumeister und der Leute, die die Reparatur durchführten. Des Weiteren wurde in der Kuppel die Preisliste von Lebensmitteln, insbesondere von Getreide, Getränken und Fleisch hinterlegt.

1801 wurde auf Ansuchen der Offiziere des Orts-Scharfschützenvereines im Gebäude ein kleiner Anbau mit lateinischer Datierung 1801 eingefügt.

1830 wurden die Räumlichkeiten im Rathaus zur Wohnung des Stadtsyndikus – für den Schreiber und Gerichtsdiener, für die Steuereinnehmer wie auch für den Bedarf der Stadtbrauerei umgebaut.

1850 wurden in Lanškroun die Kreishauptmannschaft und das Kreisgericht errichtet. Die Gemeinde bot das Rathausgebäude dem Gericht für einen Jahresmietzins von 300 Gulden der österreichischen Währung an, vorausgesetzt, daß das Gericht das Gebäude auf seine Kosten unterhalten wird. 1829 wurde die Turmkuppel wieder geöffnet und hier neben den bereits erwähnten Dokumenten noch eine Urkunde hinterlegt, die besagte, daß 1849 die politische Macht und Gerichtsbarkeit auf die Staatsverwaltung übertragen wurde, die Fronarbeit abgeschafft wurde und die Hauptmannschaft und das Gericht errichtet wurden. Die Urkunde ist wiederum von den Beamten und Vertretern der Stadt unterzeichnet. Außer den bereits hinterlegten Urkunden wurden in der Kuppel folgende Gegenstände hinterlegt: eine Silbermünze aus der Zeit der Herrschaft Rudolfs I., eine Bronzenmünze aus der Zeit der Herrschaft des französischen Königs Ludwig XVI., 1 Münze aus Lombardien, eine Papierbanknote von 1807, ein Sechskreuzer von 1800, ein Halbkreuzer von 1816, eine Medaille aus der Völkerschlacht bei Leipzig 1813-1815, eine Papst-Pius-IX-Medaille von 1849 und weitere Münzen aus neuerer Zeit.

Später wurde das Rathaus noch 1866 und 1870 repariert, nachdem ein starker Sturmwind den Turm geneigt hatte, 1924-25 wurde der Turm verputzt und 1947 das ganze Gebäude neu angeworfen. 1952 wurde dann eine neue Turmuhr installiert und die alte, fast 300 Jahre dienende Turmuhr wurde dem Museum geschenkt.


23.08.2011 10:12
27.04.2009 08:31
Zuletzt aktualisiert von: Petr Celý

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