Richtplatz | |
| Dvořákova, 56301 Lanškroun | |
Die Stadt Lanškroun konnte Gerichtsbarkeit ausüben und hatte peinliches Recht. Am 4. 1. 1684 fand die einzige nachgewiesene Hinrichtung in der Geschichte des Lanškroun-Richtplatzes statt. Es wurde hier Dorota Pekařová aus Česká Třebová mit dem Schwert enthauptet. 1696 hätte man Martin Mucha hinrichten sollen, aber wegen des desolaten Zustandes des Richtplatzes wurde die Hinrichtung aufgeschoben. Es ist unbekannt, ob die Exekution schließlich vollzogen wurde. 1718 wurden zwei leichtere Exekutionen vollzogen: Václav John wurde das rechte Ohr und seinem Kumpel Václav Kuba das linke Ohr abgehauen. Es folgte die Ausweisung beider aus der Habsburger Monarchie. Weitere Exekutionen wurden dann von der Obrigkeit verboten. Der Kaiser Josef II. entzog schließlich den Untertanenstädten das peinliche Recht. Der Richtplatz stand oberhalb des Dlouhý rybník (der Lange Teich) und bestand aus dem Galgen mit vier gemauerten Säulen am Umfang und einer Säule in der Mitte. Der ganze Richtplatz war überdacht. Unweit von hier stand eine Martersäule. Immer wenn der Zug mit dem Verurteilten die Martersäule passierte, begann die Sterbeglocke in Lanškroun zu läuten, und sie läutete so lange, bis der Zug am Galgen anlangte. Jeder fürchtete den Gehenkten, aber keiner zögerte, bei ihm einen Talisman zu holen, zum Beispiel den Strick, der das Glück gebracht haben soll. Der letzte Lanškroun-Henker hieß Pírko und war Bruder des Henkers aus Litomyšl. An Stelle des heutigen Neuen Schlosses bei Rudoltice stand einst ein Schinderhaus. Jenseits des Baches stand das Haus des Henkers. Pírko´s Schwert bewegte sich vor der Hinrichtung von selbst. Einmal trank die Geliebte von Pírko in einem unbewachten Augenblick ein wenig von seiner Flasche und dann tobte sie wie eine Wilde. Schließlich fiel die Sache aber gut aus. Wenn ein Lanškroun-Bürger wegen des Verrates gehängt werden sollte, begleitete ihn zum Richtplatz sein treuer schwarzer Hund, der sich nicht vertreiben ließ. Er soll noch lange nach der Hinrichtung rings um den Galgen gerannt sein. Erst nachdem der Galgen beseitigt worden war, verschwand auch der Hund. An Stelle des Galgens wurde dann eine „Galgeneiche“ ausgesetzt. Neben ihr wuchs eine Linde, unter der die Blutrichter zu stehen pflegten. Schließlich wurde der Richtplatz in ein Feld umgeackert. Unweit von hier befand sich das s.g. Blutfeld, auf dem die Selbstmörder begraben wurden. ![]() | |